Paulus 
(* um 1-5 n. Chr. † um 64-67 n. Chr.)

Der Apostel Paulus

Der Apostel Paulus – ein Gemälde von Rembrandt

Der Apostel Paulus – ein Gemälde von Rubens

Die angebliche Grabstätte des Apostels Paulus

Foto von Babizhet - Eigenes Werk

Der Apostel, der zum Menschenfürsten [*] der Ephesus-Periode der Kirche wurde, war zuerst als Saulus bekannt. Er wurde in Tarsus geboren und stammte aus rein jüdischem Haus, genauer gesagt vom Stamm Benjamin, dem jüngsten Sohn Jakobs. Über ihn wurde Folgendes prophezeit: „Benjamin ist ein Wolf, der zerreißt; am Morgen verzehrt er Raub, und am Abend verteilt er Beute“ (1. Mose 49:27). Der Schreiber der Urkirche, Tertullian (ca. 145-220 n. Chr.), bemerkte, dass sich diese Prophezeiung in der Person des Paulus erfüllte. In seiner Jugend verwüstete Paulus nämlich die Herde Gottes, in seinen späteren Jahren versorgte er sie, indem er die Beute mit ihr teilte.

Da Saulus, der Pharisäer (Phil. 3:5), das jüdische Gesetz in jeder Hinsicht verinnerlicht hatte und es eifrig verteidigte, richtete er in der Urkirche „Verwüstung“ an. Er sperrte viele Heilige in Gefängnisse, stimmte ihrem Tod zu und war ihnen gegenüber äußerst feindlich eingestellt (Apg. 8:3; 26:9-11).

Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn Jesus auf dem Weg nach Damaskus war eine Wende in seinem Leben. Sie beseitigte all seine Vorurteile gegenüber der neuen „Häresie“, die er zu besiegen versuchte.

Obwohl der Apostel Paulus möglicherweise aufgrund der göttlichen Vorsehung in seinem Inneren beunruhigt sein konnte, als er den Glauben, die Aufrichtigkeit und die Beständigkeit der Gläubigen inmitten ihrer Leiden miterlebte, äußert er sich nicht zu seinen früheren Bedenken. Offensichtlich wusste der Herr, dass nun die richtige Zeit für die Berufung dieses letzten Apostels gekommen war – desjenigen, der den Platz des Verräters Judas Iskariot einnehmen sollte. In Apg. 26:14–18 berichtet Paulus über den Auftrag, den er erhielt:

Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme in hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen! [*] Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Aber richte dich auf und stelle dich auf deine Füße! Denn hierzu bin ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen dessen zu verordnen, was du gesehen hast, wie auch dessen, worin ich dir erscheinen werde. Ich werde dich herausnehmen aus dem Volk und den Nationen, zu denen ich dich sende, ihre Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind.
 
Jesus fügte somit einen weiteren auserwählten Apostel zu den Seinen hinzu, von dem Er wusste, dass er mehr als alle anderen in der Lage sein würde, der Welt das herrliche Evangelium vom Königreich zu verkündigen. Der Eifer, der einst seine Feindseligkeit entflammte, brannte nun für Christus und strahlte ein Licht aus, das aus dem Wort Gottes kam und eine Menschenmenge erwecken und für die Liebe, Barmherzigkeit und Wahrheit Christi erwärmen würde.

Ab diesem Zeitpunkt war Paulus' Wirken für Christus mit großem Leid verbunden: „… In Mühen umso mehr, in Gefängnissen, umso mehr, in Schlägen übermäßig, in Todesgefahren oft. Von Juden habe ich fünfmal vierzig Schläge weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in Seenot zugebracht … in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße … Wenn gerühmt werden muss, so will ich mich der Zeichen meiner Schwachheit rühmen
(2. Kor. 11:23-30).

In all seinen Leiden bekundet Paulus: „… nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist“ (1. Kor. 15:10). Bemerkenswert ist, mit welcher Freude sich der Apostel in der andauernden Verfolgung zu denjenigen zählte, die früher seine Opfer waren.

Paulus besaß natürliche geistige Begabungen höchster Qualität. Er hatte eine sehr weite Sichtweise, eine außergewöhnliche Denkfähigkeit und die Fähigkeit, seine Gedanken in kraftvollen und präzisen Worten auszudrücken. Zusätzlich zu diesen Eigenschaften kam der Einfluss des Heiligen Geistes hinzu, der Paulus' Schriften inspirierte und ihnen im Einklang mit seinem Amt den Status göttlicher Ratschlüsse verlieh. Auch der Apostel Petrus, der ebenfalls unter Inspiration schrieb, bezeichnet die Paulusbriefe im gleichen Sinne wie die Schriften des Alten Testaments als Heilige Schrift (2. Petr. 3:15, 16). Die paulinischen Schriften bilden im Übrigen einen wesentlichen Teil des Neuen Testaments. Als sein irdischer Lebensweg sich dem Ende zuneigte, hatte Paulus die Zusicherung erhalten, dass er einen guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt habe. Er schrieb: „Fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir ⟨als Belohnung⟩ geben wird an jenem Tage; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen liebgewonnen haben“ (2. Tim. 4:7, 8).

Ebenso wie die meisten anderen Apostel erlitt auch Paulus den Märtyrertod. Vermutlich wurde er zwischen den Jahren 64 und 67 n. Chr. in Rom unter Kaiser Nero als römischer Staatsbürger nicht gekreuzigt, sondern enthauptet.

[*] Mehr zum Begriff „Menschenfürst“ siehe Micha 5:4, 5 ELB sowie den Beitrag „Die Sternenglieder der sieben Gemeinden“.
[*] Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen! Diese Redewendung bedeutet, sich hartnäckig zu widersetzen, Autoritäten oder Anweisungen zu trotzen. Wörtlich ausgedrückt bedeutet sie, einen vergeblichen, schädlichen, zerstörerischen oder destruktiven Widerstand zu leisten.