Petrus
(* um 1 v. Chr. † um 64-68 n. Chr.)
Petrus war möglicherweise der älteste der Apostel und der Sohn von Jonas bzw. Jona (Joh. 21:15). Sein Vorname war Simon oder Simeon, und er wird häufig bei diesem Namen in der Heiligen Schrift erwähnt (Mt. 4:18). Er lebte mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter in Kapernaum. Zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Andreas war er ein Fischer auf dem See Genezareth, der auch als Galiläisches Meer bezeichnet wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er, ebenso wie Andreas, ein Jünger Johannes des Täufers war (Joh. 1:35-41).
Als Jesus ihn als Seinen Jünger bei sich aufnahm, gab Er Simon den Namen, unter dem er seitdem allgemein bekannt ist: „Du bist Simon, der Sohn Jonas‘; du wirst Kephas heißen – was übersetzt wird: Stein“ (Joh. 1:42). Kephas ist die hebräische Form von Petrus (griechisch petros bedeutet ein Fels oder Stein). Mit dieser Namensgebung deutete unser Herr Seine Erwartung hinsichtlich einer weitreichenden charakterlichen Entwicklung dieses Jüngers an. Dieser Gedanke wurde einige Zeit später erneut bekräftigt, als Petrus zum ersten Mal seine Überzeugung zum Ausdruck brachte, dass Jesus wahrhaftig der verheißene Messias sei (Mt. 16:17, 18):
„… Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde [gr. ekklesia] bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.“
Diese fundamentale Wahrheit, die wie ein Fels in der Brandung verankert ist, wurde dem Jünger anvertraut, dessen impulsiver und unbeständiger Charakter mit der Zeit so verwandelt wurde, dass er zu einem „lebendigen Stein“ im herrlichen Tempel der Zukunft wurde, wie er selbst später erklärte (1. Petr. 2:3-5).
Als Jesus Petrus die Schlüssel des Himmelreichs verhieß, deutete er an, dass es sein besonderes Vorrecht sein werde, das Wort Gottes zu predigen. Dies sollte (1) den Juden zuteilwerden, beispielsweise zu Pfingsten, als er ihnen den Zugang zum Gottesreich im embryonalen Zustand eröffnete (Apg. 2:14-41) und (2) den Heiden, beispielsweise im Haus des Kornelius, als er auch diese in dasselbe Königreich einlud (Apg. 10).
Sein gelegentlich übertriebener Eifer – als er während des Abendmahls beispielsweise darum bat, dass nicht nur seine Füße, sondern auch seine Hände und sein Kopf gewaschen werden sollten –, sein positives Bekenntnis zur Verbundenheit mit seinem Meister sowie seine überstürzte, aber liebevolle Zurechtweisung Jesu, als dieser vom Leiden und dem bevorstehenden Tod sprach, zeugen von einer liebevollen und leidenschaftlichen Natur (Joh. 13:2-9; 18:10, 11; Mt. 16:21-23). Durch den Einfluss des Heiligen Geistes wurde diese Natur verwandelt und geläutert, wodurch er zu einem mächtigen Diener Gottes wurde, der der Welt das Licht des herrlichen Evangeliums vom Königreich brachte.
Petrus war einer der größten Lichtträger, die je gelebt haben. Er war ein helles Glied des Sterns für die Kirche der Ephesus-Periode. Sein Dienst dauerte über die Jahrhunderte hinweg an und erleuchtet bis heute den Pfad der Gerechten.
Die in Joh. 21:18, 19 überlieferten Worte Jesu scheinen auf einen gewaltsamen Tod des Petrus hinzudeuten. Der Tradition zufolge erlitt er im Alter von etwa 67 Jahren den Märtyrertod, indem er kopfüber gekreuzigt wurde, da er es nicht für angemessen hielt, in derselben Position wie sein Herr und Meister zu sterben.


