Thomas
* unbekannt † um 72-76 n. Chr.

Der Apostel Thomas

Über die Berufung des Thomas zum Apostelamt gibt es keinen biblischen Bericht. Er wird jedoch von Matthäus (10:3), Markus (3:18) und Lukas (6:15) unter den Zwölfen erwähnt. Sein Name bedeutet im Hebräischen Zwilling und sein griechisches Äquivalent Didymus hat die gleiche Bedeutung.

Seine zögerliche Haltung, die Tatsache der Auferstehung Jesu ohne handfeste Beweise zu akzeptieren, führte zur Entstehung der berühmten Redewendung vom „ungläubigen Thomas“ (Joh. 20:24-29). Da er bei den ersten Erscheinungen Jesu nach dessen Auferstehung nicht dabei gewesen war, dachte er, seine Glaubensbrüder seien getäuscht worden. Er sagte: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben.“ Acht Tage später, als sich Thomas mit den anderen in einem verschlossenen Raum befand, erschien Jesus erneut, begrüßte sie und wandte sich an Thomas. Er zerstreute dessen Zweifel und forderte ihn auf: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Thomas' bemerkenswerte Antwort zeigte seine volle Überzeugung: „Mein Herr und mein Gott.

Sein praktischer und bodenständiger Geist konnte nur schwer verstehen, was der Herr meinte, als Er von dem Ort sprach, den Er für sie bereiten wollte. Daher fragte er: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und wie können wir den Weg wissen?“ (Joh. 14:5). Dennoch zeigte Thomas eine große Bereitschaft, nach seinen Überzeugungen zu handeln, etwa als Jesus den Gedanken äußerte, wieder nach Judäa zu gehen, wo die Juden kurz zuvor versucht hatten, ihn zu steinigen: „Da sprach Thomas, der ⟨auch⟩ Zwilling genannt ist, zu den Mitjüngern: Lasst auch uns gehen, dass wir mit ihm sterben.“ (Joh. 11:16).
 
Durch die Erwählung einer von Natur aus eher kritischen als leichtgläubigen Person hat der Herr während des ganzen Evangeliums-Zeitalters vielen Menschen mit ähnlicher Veranlagung das Gefühl gegeben, dass ihre mangelnde Fähigkeit, den Glauben mit Leichtigkeit zu praktizieren, ihre Hoffnung, vom Geliebten angenommen zu werden, nicht beeinträchtigen würde.

Über das Wirken des Thomas nach der Kreuzigung Jesu und den Ereignissen zu Pfingsten sind keine eindeutigen historischen Zeugnisse erhalten. Der frühchristliche Theologe Origenes (ca. 185–254) berichtet, dass Thomas in Parthien predigte, einer antiken Landschaft im Norden des heutigen Iran und im Süden des heutigen Turkmenistans. Der Gelehrte Eusebius Hieronymus (ca. 348–420) schreibt, dass Thomas in Persien missionierte. Spätere Überlieferungen berichten von seinem Wirken in Indien, und die „Thomaschristen in Malabar“ (heute der Bundesstaat Kerala) bezeichnen ihn als ihren Gründer. In Mylapore, einem Stadtteil von Chennai (bis 1996 Madras), soll ein Heiligengrab an den Ort seines Martyriums erinnern. An dieser Stelle soll er mit einem Speer getötet worden sein.

Nun ist Thomas zweifelsfrei und ohne jeden Anschein von „Unglauben“ bei seinem Herrn, an dem Ort, der für ihn vorbereitet wurde.